Alle Schleiereulen ausgeflogen!
Der Grosserfolg ist eingetroffen! Alle sechs jungen Schleiereulen sind gesund ausgeflogen. Anfangs sind die Schleiereulen noch in der Nähe der Eltern und starten ihre ersten eigenen Jagdversuche. Sehr schnell lernen die Jungvögel selbst Mäuse zu fangen und suchen dann schon bald ein eigenes Revier. Das Elternpaar bleibt gewöhnlich ein Leben lang zusammen und ist sehr ortstreu.
Die jetzige Phase kann für die jungen Schleiereulen sehr schwierig sein. Sie müssen genügend Nahrung finden und diverse Gefahren überstehen (Verkehr, Starkstromleitungen, Rodentiziden).
Die Küken waren unterschiedlich gross, da nicht alle am gleichen Tag schlüpften – die Schleiereule brütet die gelegten Eier nämlich vom ersten Tag an. Vom 8.-19. April wurden im Zwei-Tage-Rhythmus total 6 Eier gelegt. Während einer meist ruhigen Brutzeit schoss der Puls am 8. und 10. Mai während eines Kampfs mit einem Turmfalke kurz in die Höhe! Freudig konnte am 9. Mai das erste, geschlüpfte Küken gesichtet werden. Ein Glück ist auch, dass es ein grosses Mäuseangebot hat und alle sechs Küken gross geworden sind. Ende Juni haben alle Jungvögel das Daunenkleid vollständig verloren, präsentierten sich im erwachsenen Federkleid, stärkten ihre Flügelmuskeln und machten Flugübungen im Nistkasten. Und Ende Juli war es dann soweit und alle Schleiereulen flogen aus.
Alle veröffentlichen Filme und mehr sind auf unserem youtube-Kanal zu finden oder das meiste Filmmaterial auch auf dieser Website unter dem Menu „Schleiereule 2021“. Die aktuellsten und eindrücklichsten Filme folgen direkt hier unten:
Seit dem 26.7. sind alle Schleiereulen ausgeflogen und verbringen den Tag schlafend in einem geschützten Unterschlupf in der Nähe des Nistkastens, z.B. Scheune oder Baum. Die sechs unterschiedlich alten Schleiereulen flogen etwa zwischen dem 23. und 26.7. aus und kehren in der Nacht kurz zum Essen einzeln oder gruppenweise wieder in den Nistkasten zurück. Am 30.7. hat die Kamera zwischen 2:27-5:07, am 31.7. zwischen 3:53-5:13 Aktivitäten registriert.
Die starr nach vorne gerichteten Augen der Schleiereule sind unbeweglich. Diese Unbeweglichkeit der Augen macht die Eule jedoch mit der extremen Beweglichkeit ihres Kopfes wieder wett. Bis zu 270 Grad ist der Kopf drehbar. Wenn die Eule also den Kopf nach rechts bewegt, kann sie nicht bloss nach hinten schauen, sie kann mit der Rechtsbewegung sogar nach links schauen! Dies hilft der Eule nicht nur ihre Blickrichtung, sondern vor allem auch ihre Hörrichtung zu ändern. Die Schleiereule hat ein exzellentes Gehör, mit dem sie ihre Beute im Dunkeln exakt ortet. Auch die Augen der Schleiereule sind gut auf die Dunkelheit abgestimmt, extrem lichtempfindlich und gross, damit sie bei wenig Licht in der Nacht Mäuse jagen kann. Zudem ermöglichen die beiden starr nach vorne gerichteten Augen der Schleiereule ein gutes räumliches Sehen.
Der Turmfalke war über eine längere Zeit bei den Schleiereulen im Nistkasten (siehe auch Film vom 27.4. und 8.5.). Er sass im vorderen Teil des Nistkastens. Der Turmfalke könnte den Mäusevorrat plündern oder wenn beide Schleiereulen-Eltern zu einem späteren Zeitpunkt draussen sind, gefährlich für die jungen Schleiereulen werden.

Am 24. November 2020 hat sich die Schleiereule zum ersten Mal im Nistkasten vor der Kamera gezeigt.
> Brutplatzsuche
Ab dem 6. Februar 2021 haben sich die beiden Schleiereulen jede Nacht mehrmals gepaart, tauschten Zärtlichkeiten aus in Form von gegenseitiger Gefiederpflege sowie dem Kraulen am Kopf- und Halsbereichs. Die Schleiereulen besuchten den Nistkasten bis zum 8. April nur in der Nacht, und zwar immer erst ab ca. 19 Uhr abends bis ca. 6 Uhr morgens.
> Balz- und Paarungszeit, Zärtlichkeiten und Gefiederpflege
Am 19. März wird der Schleiereulen-Nistkasten von einer Rostgans besucht, die sich dann aber glücklicherweise nicht mehr zeigt.
> Rostgans besucht Nistkasten
Am 8. April verliess die Schleiereule morgens den Nistkasten nicht mehr wie jeden Tag zuvor… und tatsächlich: Um 14:01:10 konnten wir das erste Ei sehen! Seit dem 8. April wurden nun etwa im Zwei-Tage-Rhythmus total 6 Eier gelegt, am 19. April das letzte. Da die Schleiereule vom ersten gelegten Ei zu brüten beginnt, werden die Küken auch nicht gleichzeitig schlüpfen und dann schliesslich sehr unterschiedlich gross sein.
Die Schleiereule brütet die Eier 30-33 Tage lang. Während der Brut bringt das Männchen in der Nacht die Nahrung – praktisch nur Mäuse – ans Nest. Auf den Filmen ist sichtbar, wie die ganzen Mäuse verschlungen werden. Tagsüber zeigt sich das Männchen nicht und schläft gut versteckt in der Nähe des Nistkastens. Die Eier werden vom brütenden Weibchen regelmässig gedreht, damit sie gleichmässig erwärmt werden. Zwischendurch steht das Weibchen auf, streckt die Muskeln und läuft ein wenig herum, um fit zu bleiben. Und auch während der Brut «schätzeln» und paaren sich die Schleiereulen noch immer.
> Legen und Brüten der Eier
Am 27. April ist ein Turmfalke zu hören und dann auch zu sehen. Das Weibchen steht schnell von den Eiern auf und verjagt ihn. Aber auch in den nächsten Tagen sitzt der Turmfalke zeitenweise im Vorraum des Schleiereulennistkastens. Auf dem Film vom 8. Mai ist zu sehen, wie es zu einem Kampf zwischen Turmfalke und Schleiereulenmännchen kommt, als das Männchen den Nistkasten betritt.
> Kampf gegen Turmfalke
Nachdem am 9. Mai um 17:17 bereits ein Sprung im ersten Ei sichtbar wird, lüftet sich um 23:44 das grosse Geheimnis und das erste Küken schlüpft! 11 Tage später, am 20.5. schlüpfte das letzte der sechs Küken. Daher sind die Küken sehr unterschiedlich gross.
> Küken schlüpfen aus den Eiern
Während das Weibchen Tag und Nacht noch im Nistkasten bleibt und die Jungvögel hudert, bringt das Männchen in der Nacht Mäuse ins Nest. Um in Bewegung zu bleiben läuft das Weibchen herum und streckt die Flügelmuskeln. Immer wieder putzen die Schleiereulen, Mutter und Jungvögel, ausgiebig das Gefieder.
> Bewegung, Flügelmuskeln strecken, essen und putzen
Am 10. Juni ist zu sehen, wie eine junge Schleiereule schon eine ganze Maus verschlingt, obwohl die Mutter die Mäuse noch immer für die Jungen zerkleinert. Im Film vom 22. Juni würgt ein Jungvogel wieder eine ganze Maus hinunter, gar kein leichtes Unternehmen!
> Maus zu gross oder Schnabel zu klein?
Am 15. Juni ist zu sehen, dass auch die Mutter in der Nacht auf Mäusejagd geht und die Jungvögel alleine im Nistkasten sind. Denn Schleiereulen sind sehr unflexibel, was das Essen angeht: Sie essen praktisch nur Mäuse. Wenn im Winter viel Schnee liegt und die Mäusejagd schwieriger bis unmöglich wird, ist die Gefahr gross, dass Schleiereulen verhungern, weil sie nicht auf andere Nahrung ausweichen können. Wenn Sie Glück haben finden Sie in einem Stall auf einem Heuboden noch Mäuse oder irgendwo am Waldrand unter Büschen und Bäumen, wo kein Schnee liegt.
> Mäuse, Mäuse und nochmals Mäuse …
Zum Glück hat es dieses Jahr genügend Mäuse, dass auch die kleinster Geschwister genügend zu essen haben. Das ist nicht selbstverständlich. Es kommt bei Schleiereulen vor, dass das kleinste Junge eine Art „lebendiger Vorrat“ für Zeiten mit Nahrungsknappheit darstellt, der dann von den Eltern in Not gefressen wird. Eine einzige Schleiereule verschlingt pro Nacht etwa 5 Mäuse. Während der Jungenaufzucht können es pro Eulenfamilie und Nacht mehr als 30 Mäuse sein, sodass in der 3-monatigen Aufzuchtzeit die ganze Familie 3000-4000 Mäuse frisst. Im Jahr kann ein Eulenpaar bis zu 6000 Mäuse vertilgen!
Am 16. Juni sind die ältesten Jungvögel bereits in der Mauser. Das heisst, sie wechseln von den Daunenfedern in das erwachsene Federkleid.
> Wechsel vom Daunenkleid ins erwachsene Federkleid
Mit zunehmender Sommerhitze steigt auch die Temperatur im Nistkasten. Im Film vom 18. Juni ist zu sehen, wie die Jungvögel bei Hitze hecheln, um sich zu kühlen.
> Hecheln hilft gegen Hitze.
Ende Juni ist das Federkleid der sechs Jungen fast fertig. Die jungen Schleiereulen stärken ihre Flugmuskeln und machen Flugübungen. Bis junge Schleiereulen flügge werden, dauert es ca. 63-84 Tage.
> Flugübungen – Schon bald bereit für den Abflug?
Zur Abwechslung ein Rätsel aus unserem Waldkauz-Nistkasten: Was versteckt sich unter den Federn?
Lösung im Video! > Hier klicken